Automatische Fütterungsraufe

Raufe öffne dich

Mit der freundlichen Genehmigung von Florian Brauchli, Redakteur der Pferdewoche, dürfen wir den Artikel «Raufe öffne dich» hier im Blog veröffentlichen. Erschienen ist er in der Ausgabe 11/21.

Vor 8 Monaten

Die automatischen Heuraufen der «B+M Haus- und Agrotech AG» in Densbüren sind eine Eigenentwicklung. «Vor über zehn Jahren kamen Kunden mit dem Wunsch einer automatisierten Raufe auf uns zu», erklärt Roger Meyer, Geschäftsführer der «B+M AG». «Also haben wir begonnen zu tüfteln und konnten 2012 die erste ‘Fressstation’ auf den Markt bringen.»

Erfinderische Pferde

In den vergangenen zehn Jahren wurde das Produkt aber laufend weiterentwickelt. «Das war nötig, vor allem weil Pferde äusserst erfinderisch sind. Sie finden immer wieder neue Wege, wie sie an ein paar Halme Futter rankommen. Viel wurde ausprobiert, viel hat nicht funktioniert», so Meyer. Mittlerweile sei man aber sehr zufrieden, die Heuraufe funktioniere tadellos.

Die Bauweise

Die «B+M AG»-Heuraufe besteht aus feuerverzinktem Eisen, ist also sehr stabil. Alle Stangen sind abgerundet, damit sich kein Pferd daran verletzen kann. Auf einer verstärkten Metallwanne sind vier Gitterpaneele angebracht, durch die die Pferde an das Heu in der Mitte gelangen können. Eine Seite kann geöffnet werden, um die Heuballen in die Raufe zu stellen. Je nach Anzahl Pferde können eine oder mehrere Seiten mit einer Holzplatte verkleidet werden.

Eine einfach Faustregel

«Die Faustregel besagt, dass es doppelt so viele Fress­eingänge wie Pferde haben muss. So kann jeder Vierbeiner in Ruhe fressen und muss nicht um sein Futter kämpfen», erklärt Meyer. Jede offene Seite wird mit einer mit Metallstreben verstärkten Blache bestückt. Ein Rohrmotor lässt die Blache herauf und herunter und gibt so den Zugang zum Heu frei oder verhindert ihn. Die Blache läuft in einer Führungsschiene, die wiederum mit Gummiabdeckungen gesichert ist.

«Die Führungsschiene verhindert, dass das Pferd von der Seite her die Blache wegdrücken kann, um zu fressen. Dasselbe gilt für die Metallstreben. Sie verhindern, dass das Pferd von unten unter der Blache hindurch an das Heu gelangt», erklärt Michael Huber, Aussendienstmitarbeiter bei der «B+M AG» und aktiver Rennreiter. Damit das Heu vor Nässe jederzeit geschützt ist, wird jede Heuraufe inklusive Dach verkauft.

Die Funktionsweise

«Die automatische Heuraufe wird vorwiegend in der Gruppenhaltung eingesetzt», so Huber. «Sie ist eine enorme Arbeitserleichterung. Es gibt viel Futter an einem Ort. Durch die Intervalle haben die Pferde immer Futter, sind aber nicht immer am Fressen. Dies hilft gegen Magengeschwüre und Koliken.

Regelmässige, kleine Futterportionen über den ganzen Tag verteilt entsprechen viel eher dem natürlichen Fressverhalten der Pferde.» Ein Netz um die Heuballen bedeutet zudem weniger Futterverlust und die Vierbeiner sind beschäftigt. Sie zupfen Halm für Halm aus dem Netz, fressen dadurch langsamer und dies wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.

Die Zeitsteuerung

Die Rohrmotoren, die die Heuraufe schliessen, sind mit einem Steuerungsgerät verbunden, das mit 230 Volt Strom läuft. Dieser Kasten wird im Stall angebracht und seine Grundeinstellungen öffnen die Heuraufe siebenmal pro Tag – an folgenden Uhrzeiten: 1 Uhr, 10 Uhr, 12.15 Uhr, 14.30 Uhr, 16.45 Uhr, 19 Uhr und 22.15 Uhr. Nach exakt 30 Minuten schliessen sich die Blachenbahnen wieder.

«Die meisten behalten die Grundeinstellungen bei, aber natürlich ist auch dies individualisierbar», so Roger Meyer. «Die Motoren laufen ziemlich ruhig, aber wirken schon nach kurzer Zeit doch wie eine Fressensglocke», ergänzt Michael Huber.

Die Kosten

Die automatischen Heuraufen sind nicht günstig – allerdings ist die Zeit- und Arbeitsersparnis enorm. Die zwei mal zwei Meter grosse und 600 Kilo schwere Raufe kostet bei der «B+M AG» rund 10000 Franken, die zwei mal drei Meter grosse und 800 Kilo schwere Raufe rund 12000 Franken. Bei einer Bestellung muss die Konstruktion zuerst zusammengebaut werden und wird dann innerhalb von zwei bis drei Wochen fixfertig geliefert.

«Das Kundenecho ist äusserst positiv», freut sich Meyer. «Keiner der Kunden würde sie wieder hergeben.»

Die Praxis

«Wir sind ziemlich zufrieden, die automatische Raufe passt perfekt in unseren Betrieb»

Roman Spieler betreibt zusammen mit seiner Frau seit 2015 den Islandpferdehof Lieburg in Esslingen ZH. Seit 2016 vertraut er dabei auf eine automatische Heuraufe. Die 45 Isländer des Hofes beziehen ihre Heulage aus dem «B+M»-Produkt.

Die Raufe in der Gruppenhaltung

Die Pferde sind in Gruppen à zehn bis zwölf Vierbeiner aufgeteilt. Jede Gruppe hat eine Längsseite der zwölf Meter langen Raufe zur Verfügung – also 20 Fressplätze für zehn bis zwölf Pferde. Jeden dritten Tag füllt Spieler die Raufen mit einem grossen Ballen Heulage und verteilt diese in der Raufe. Darauf kommt ein Netz, das die Islandpferde zu langsamerem Fressen zwingt.

Individualisierbare Öffungszeiten

«Wir haben komplett andere Öffnungszeiten der Raufe als die Betriebseinstellungen. Wir haben nur fünf Intervalle pro Tag, dafür sind die Blachen länger geöffnet, zwischen eineinhalb und vier Stunden. «Die Gruppen haben wir nach Futtrigkeit eingeteilt. Bei einer automatischen Heuraufe ist es nötig, dass man seine Pferde kennt und die Gruppe möglichst homogen ist», erklärt der 35-Jährige.

Und wie ist die Eingewöhnung gelaufen?

Die Angewöhnung sei einfach gewesen, meint Spieler. Lediglich neuen Gruppenmitgliedern, die die automatische Raufe nicht kannten, war es anfangs etwas unheimlich. «Sie wussten nicht, dass sie den Kopf durch das Gitter stecken mussten, um ans Futter zu kommen.» Kaputt gegangen sei bis jetzt noch nie etwas, erzählt der Zürcher zufrieden.